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beim Blog des LWL-Museums für Kunst und Kultur!

Der Medientisch zum Westfälischen Frieden in der Sammlung.

Mittendrin statt nur dabei: Spiel zum Westfälischen Frieden

Als wissenschaftlicher Volontär beim LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte für eine Woche mal die Bücher beiseite zu legen und in die Presse-, Öffentlichkeits- und Vermittlungsarbeit des LWL-Museums für Kunst und Kultur reinschnuppern: Das war der Plan von Korbinian Böck. Dass er dabei bereits am ersten Tag Statist in einer Videoproduktion des Museums und Blogger sein würde, hätte er vorher nicht gedacht…

Verhandeln um den Frieden: Am Spieltisch zum Westfälischen Frieden geht es ums Ganze und natürlich den Spaß am Spiel.

Montag ist Ruhetag – von wegen!

Die meisten Museen sind an Montagen traditionell für Besucher geschlossen. Von Ruhe aber keine Spur: Es brummt, hämmert und läutet in den Gängen des LWL-Museums. Denn die besucherfreien Tage werden nicht zuletzt dafür genutzt, kleinere Reparaturen durchzuführen – oder um einmal ungestört Film- und Fotoaufnahmen in den leeren Ausstellungsräumen zu machen. So auch an meinem ersten Tag am Münsteraner Domplatz. Auf dem Programm stand ein Viodeodreh über den Spieletisch für die Endrunde in der Bewerbung um den Deutschen Computerspielpreis. Klang für mich im ersten Moment völlig abwegig, erklärte sich aber mit Blick in die Frühneuzeitabteilung des Museums schnell von selbst.

So geht's: Werte sammeln und den Westfälischen Frieden erneut zusammen schließen.

Daddeln im Museum?

Was liegt für eine moderne Museumspädagogik näher, als eines der liebsten Medien von jungen Leuten einzubeziehen? Das dachte sich auch Ingrid Fisch, Leiterin der Vermittlungsarbeit im Museum, und hat deshalb für die neue Dauerausstellung des Museums ein interaktives Angebot zu einem der wichtigsten historischen Ereignisse in Münster und Westfalen entwickeln lassen: einen Computerspieltisch zum westfälischen Frieden. In der Rekordzeit von nur vier Monaten von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung wurde das Projekt gemeinsam mit der Computerspielfirma Studio Fizbin realisiert. Mit diesem Spieltisch haben sich das Museum zusammen mit Studio Fizbin jetzt für den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Serious Games“ und „Innovation“ nominiert.

Das Prinzip des Spiels ist recht einfach: Bis zu zehn Spieler tauschen untereinander, je nach Priorität, die „Werte“ Land, Geld, Status und Religion in Form von digitalen Spielkarten untereinander aus. Sieger ist, wer die benötigten Karten am schnellsten zusammen hat. Gewinnen ist aber nicht alles. Erst wenn alle Mitspieler ihre vorgegebenen Werte beisammen haben, ist das Spielziel erreicht: Der lang ersehnte Frieden von Münster und Osnabrück. Vier Jahre dauerten vor knapp 370 Jahren die Verhandlungen, bevor es 1648 zum Friedensschluss kam. Im Museum geht es glücklicherweise etwas zügiger.

Bildnis des münsterischen Fürstbischofs Christoph Bernhard von Galen, um 1661

Als barocker Diplomat am Spieltisch

Für die Bewerbung auf den Computerspielpreis hat Studio Fizbin eine Videoproduktion organisiert, die den Spielverlauf zeigen soll. Zusammen mit einigen Mitarbeitern aus dem Haus sitze ich als Statist am Spieltisch, es wird getauscht, gezockt und zwischen verschiedenen Spielern vermittelt. Als barocker Diplomat hätte ich offenbar nicht getaugt, auf dem traurigen 8. Platz lande ich mit meinen Bemühungen, dem König von Frankreich ein Maximum an Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen zu erstreiten. Schuld daran ist vor allem Gerd Dethlefs, der im Museum die Abteilung Landesgeschichte leitet und in der Rolle des brandenburgischen Gesandten Johann VIII. zu Sayn-Wittgenstein-Wittgenstein ein ziemlich harter Hund ist. Während wir weitgehend ungestört um den Frieden spielen gibt ein Mitarbeiter von der Computerspielfirma seinem Kameramann Anweisungen für Einstellungen aus verschiedenen Positionen. Und ich darf währenddessen ein Stündchen in die Rolle des französischen Gesandten Abel Serviens schlüpfen und mit anderen Diplomaten bzw. MuseumsmitarbeiterInnen um Land und Prestige pokern.

Eure Stimme zählt!

Für den multimedialen Spieltisch zum "Westfälischen Frieden" könnt ihr hier abstimmen. Die Verleihung des wichtigsten Förderpreises für Computer- und Videospiele "Made in Germany" findet am 21. April in Berlin statt.

Text: Korbinian Böck
Fotos: LWL / Neander

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Publikationsdatum: 03.04.2015

Themen: Neubau, Kunstwerke, Museumsteam