Landschaftsverband Westfalen-Lippe - 11.05.18 - 15:23 Uhr

URL: https://www.lwl.org/LWL/Kultur/fremde-impulse/die_impulse/Impuls-Stift-Essen

Macht in Frauenhand

Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 wurde das kleine geistliche Fürstentum Essen (räumlich etwa dem heutigen Stadtgebiet entsprechend) beinahe 1000 Jahre lang von Frauen regiert. Manche der mehr als 50 Fürstäbtissinnen standen 30 Jahre und länger an der Spitze dieses kaiserlich-freiweltlichen Damenstifts. Nicht nur diese übten die Herrschaft über ihre Essener Untertanen aus, sondern auch die Stiftsdamen hatten Teil daran. Nur Frauen aus den höchsten Kreisen des deutschen Adels wurden aufgenommen. Anders als in einem Kloster legte keine der Damen ein Gelübde ab. Sie besaßen eigene Häuser, hatten eigenes Personal, konnten reisen und auch jederzeit das Stift wieder verlassen, um zu heiraten.
Die Frauen kamen oft von weit her – aus den Niederlanden, aus Bayern, Thüringen, Sachsen, Österreich und der Schweiz. Sie brachten ihre eigenen „fremden“ Erfahrungen und Vorstellungen mit, die sich auch in den erhaltenen Bauten widerspiegeln.

Neben der Abtei in Essen (heute Stadtmitte, neben dem Münster) diente das Schloss in Borbeck (heute ein Stadtteil von Essen) über Jahrhunderte als eine der Residenzen dieser Herrscherinnen. Im 18. Jahrhundert gaben Baumeister aus Lüttich (Soiron), aus Maastricht (Lousberg) und aus Brabant (Duker) dem Schloss sein heutiges Gepräge. Umgeben von Wasser liegt es inmitten einer großzügigen historischen Parkanlage im Norden von Essen. Bis weit ins 17. Jahrhundert hinein war diese „Burg“ Residenz der Fürstäbtissinnen, in Kriegszeiten aber auch Zufluchtsort für die Untertanen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließ Anna Salome von Salm-Reifferscheidt, geboren auf Schloss Dyck bei Neuss, die völlig zerstörte Anlage von Grund auf neu bauen. Schloss Dyck soll dabei als Vorbild gedient haben.

Die Fürstäbtissin Franziska Christine (1726-1776) gründete für die Waisenkinder des Essener Stiftsgebiets ein Waisenhaus und ließ dafür bei Steele ein Stiftsgebäude errichten. Von Anfang an gab es für diese private Stiftung drei Funktionen, die das neue Haus erfüllen sollte: Station einer neuen Jesuitenmission an der Grenze zur protestantischen Grafschaft Mark; Waisenhaus in Konkurrenz zu dem seit 1728 bestehenden protestantischen Waisenhaus in der Stadt Essen und Residenz der Fürstin, da die Abteigebäude in Essen ziemlich marode waren. Die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung ist heute eine private Stiftung öffentlichen Rechts, an deren Spitze ein Kuratorium steht.

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